Rio Tag 4 – Typisch Brasilien – auf einmal war das Bild weg

Der Tag war gekommen. Erstes Spiel unserer Nationalelf. Ganz ehrlich gesagt waren wir beide aufgeregt wie Kinder kurz bevor der Weihnachtsmann kommt. Im gebügelten Trikot und unserem Deutschlandhut machten wir auf in Richtung der Fan-Bar „Tor“. Schon auf dem Weg entlang der Strandpromenade begegneten uns ungemein viele Landsleute in ausgelassener Stimmung. Als wir unser Ziel erreicht hatten trauten wir unseren Augen nicht. Die Bar die vor ein paar Tagen noch wie ausgestorben schien, platzte jetzt aus allen Nähten. Und es war noch eine Stunde bis zum Anpfiff. Schätzungsweise 250-300 in deutschen Farben geschmückte Menschen sangen, tranken und philosophierten wen Jogi denn nun aufstellen würde. Es ist zu bemerken, dass auffällig viele Brasilianer unserer Nationalelf die Daumen drückten und auch fast alle Spieler unseres Teams kannten.

WM Tagebuch aus Rio de Janeiro

Nach längerem Suchen ergatterten wir noch 2 Plätze in der Menge und machten es uns gemütlich. Sofort bekamen wir auch schon von einer Kellnerin einen Tippzettel und ein Bändchen, was uns berechtigt bei jedem Deutschlandtor ein Freibier abzusahnen. Eine tolle Idee des „Deutschen Generalkonsulats“. Trotz dieser  bezaubernden Atmosphäre hatten wir aufgrund der unruhigen Vorbereitung und der Verletzungssorgen ein mulmiges Gefühl bezüglich des Spielausgangs.

WM 2014 in Rio de Janeiro

Als das Spiel dann endlich los ging konnte man die Anspannung spüren. Fingernägelknabbern bei den und Strohalmzerkauen inbegriffen. Auch wenn wir in den paar Tagen schon einiges bezüglich der lockeren Lebensweise der Brasilianer kennen lernen durften (Schnellrestaurant bedeutet nicht, dass man sein Essen auch schnell bekommt) konnten wir uns nicht ausmalen was ab der 9. Minute in der Fanbar passieren würde. Das Horrorszenario schlechthin trat ein, Bild weg!!!!! Wir schauten uns gegenseitig an und wussten nicht so recht, ob wir lachen oder weinen sollten. Als sich dann auch noch herumsprach das irgendetwas passieren sein muss sprang ich auf und hechtete zu einem Nachbartisch an dem ein paar Brasilianer das Spiel von einem mikroskopisch kleinen Handy aus weiter sahen. Als ich ein paar Blicke auf das Handy erhaschen konnte, sah ich gerade wie Fußballgott Thomas Müller zum Elfer antrat. Als er traf gab es kein halten mehr. Alle sprangen, schrieen und lagen sich in den Armen. Ein Tollhaus direkt an der Copacabana.

WM 2014 an der Copacabana

Als sich die Situation ein wenig beruhigt hatte und der TV glücklicherweise auch wieder funktionierte erinnerte mich an etwas. Lauthals skandierten Marco und ich „Freibier“ und die gesamte Bar stimmte ein. Das sich das ganze 4 mal wiederholen würde, haben wohl nur wenige vorhersehen können. Am allerwenigsten die Betreiber der Bar, denn der Biernachschub kam gehörig ins Stocken, was der Stimmung aber keinen Abbruch tat. Nach Spielende gab es regen Meinungsaustausch und Prognosen wie es denn jetzt weiter geht mit unserer Nationalmannschaft. Wenn es nach dem Großteil der internationalen Fans geht, mit denen wir uns unterhalten haben, steht fest, dass Deutschland Weltmeister wird. Hoffen wir, dass sie Recht behalten…

Mehr lesen

jetzt teilen…

PREMIUMPARTNER

Werbepartner