Rio Tag 5 – zu Besuch bei Roberto in Favela Vidigal

Sandstrand , Sonne und Copacabana sind die Dinge, an die man als erstes denkt, wenn einem Rio de Janeiro in den Sinn kommt. Das es neben den traumhaften Sandstränden, die eine jede Postkarte zieren könnten, noch eine andere Seite gibt, haben wir gestern hautnah zu Gesicht bekommen. An der Seite einer fachkundigen Rio-Spezialistin (über die wir in einem unserer folgenden Tagebucheinträgen noch detaillierter Berichten werden) haben wir uns aufgemacht die Favela Vidigal zu erkunden. Unweit der Nobelstrände von Copacabana, Ipanema und Leblon wo sich ein millionenschweres Apartment an das andere reiht, erlebt man ein paar Kilometer weiter ein Bild der Gegensätze wie man es auf dieser Welt nirgendwo findet.

Rio de Janeiro

An einem Berg eng aneinander gebaute Häuser, auf engstem Raum lebende Menschen und nur eine Straße die nach oben führt. Am Fuße des Berges warten unzählige Männer mit Motorrädern die einem den beschwerlichen Weg auf den Berggipfel erleichtern wollen. Als unsere Begleitung uns darauf aufmerksam machte, dass wer einmal eine Favela besucht hat mindestens einmal Mototaxi gefahren sein muss, hatten wir keine Wahl. Schnell hatten sich 3 Motorräder gefunden und schon konnte die halsbrecherische Fahrt beginnen. Verkehrsregeln wie man sie in Deutschland kennt, sind hier nicht vorhanden. Überholmanöver links, Überholmanöver rechts und zwischen zwei Autos hindurch, alles ist erlaubt. Verrückt!!!

Unsere erste Zwischenstation war ein ökologisches Projekt der Einwohner der Favela. Wo früher ein riesiger Müllberg ragte sorgen heute die Menschen von Vidigal für Ordnung. Ein Garten mit Blumen und Pflanzen in jeder Farbe. Der beschwerliche Weg zu dieser kleinen geheimen Oase ist nur über ein Weg erreichbar der mit alten Autoreifen gepflastert ist. Alles wir wieder verwendet wie uns einer der Gärtner versichert. Alte Plastikflaschen werden zu Blumenkübeln umfunktioniert und Speichen alter Räder ergeben futuristische Tische und Stühle. Unglaublich wenn man sich vorstellt wie es hier noch vor ein paar Jahren ausgesehen haben muss.

Den letzten Teil des Weges bis zum Gipfel nehmen wir zu Fuß um die Eindrücke besser wahrnehmen zu können. An jeder Ecke herrscht reges Treiben. Menschen bauen, erzählen, kochen oder sitzen auf der Straße und hören Musik. Der Weg ist beschwerlich bei 30° und einer unmenschlichen Luftfeuchtigkeit. Doch wir schaffen den Aufstieg und kommen oben an. Wir machen in einer kleiner typischen brasilianischen Bar mit dem Namen „Casa da Tapioca“ halt. Wie wir erfahren ist die Tapioca ein typisch brasilianisches Gericht aus dem Nord-Osten. Eine Art Pfannkuchen mit dem Mehl der Maniokwurzel. Wir bestellen eine Kombination aus Käse, Bananen, und Zimt. Und es schmeckt köstlich. Kurz darauf erfahren wir, dass der Besitzer der Bar, Roberto, eine bewegtes Leben hinter sich hat und in Vidigal eine Berühmtheit ist.

Rio de Janeiro
Roberto kommt aus dem Nord-Osten Brasiliens und war zunächst in der Landwirtschaft tätig. Da sich die Landwirtschaft dort nicht mehr lohnte, machte er sich nach Rio de Janeiro auf um dort seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Über verschiedene Hilfsjobs im Baugewerbe erlangte er schließlich einen respektablen Posten als Haushüter bei einem brasilianischen Millionär. Als jedoch vor 6 Jahren die Polizei das Haus seines Chefs stürmte, verlor er plötzlich alles. Er hatte weder Geld noch Sachen. Ihm gelang die Flucht, da er sich geschickt im Bad versteckt hielt und in einem unbeobachteten Augenblick die Flucht ergriff. Wie sich herausstellte war sein Chef in dubiose Geschäfte verwickelt. In seiner Not verschlug es ihn in die Favela Vidigal in der Schießerein und Bandenkriegen früher noch Alltag waren. Dort angekommen kam Roberto auf die Idee, eine Bar mit dem Gericht seiner Heimat zu eröffnen. Heute hat er sich eine kleine feine Bar aufgebaut, die nach und nach mit einer Eismaschine und anderen Dingen erweitert werden soll.

Wer einmal Rio besuchen sollte, muss die „Casa da Tapioca“ von Roberto in Vidigal am Berggipfel besuchen. Denn nicht nur die Tapioca ist köstlich sondern auch die Aussicht. Roberto sagt es ist die Beste von ganz Rio…

Mehr lesen

jetzt teilen…

PREMIUMPARTNER

Werbepartner